DM_2010_a1Vom 27. bis 29. August 2010 hatte der SFC-Darmstadt zur diesjährigen Deutschen Meisterschaft für Großmodelle eingeladen. Der schön gelegene Modellflugplatz in Ober-Ramstadt bietet alles, was das Großmodell-Fliegerherz verlangt: eine ausreichend lange, gut gepflegte Grasbahn, im rückwärtigen Bereich viel Platz für Autos, Wohnwagen oder Zelte und viele willige Helfer.

Bereits auf der Hinfahrt zu der Veranstaltung mussten die Scheibenwischer unseres Autos zeitweise in den Schnellgang wechseln, so prasselte der Regen von oben. Auch in Ober-Ramstadt sah es nicht viel besser aus. Immer wieder fallende Regenschauer sorgten dafür, dass die Modelle unter Planen verschwanden oder in eines der großen Zelte verfrachtet werden mussten.

Crosswind

Insgesamt hatten sich 23 Teilnehmer zur diesjährigen Deutschen Meisterschaft angemeldet und waren trotz mieser Wettervorhersagen alle angereist. Aufgrund der widrigen Wetterbedingungen zogen jedoch Adolf Hauser und Alex Obolonsky ihre Anmeldungen zurück, sodass noch 21 Piloten ins Rennen gingen. Zwar hatte Alex Obolonsky seine bekannte, wunderschöne Super Conny mitgebracht, ließ das gute Stück jedoch wegen des unschönen Wetters und der heftigen Windböen lieber auf dem Autodachträger aufgeschnallt. Die restlichen Teilnehmer ließen sich dagegen nicht beirren und zeigten eine große Vielfalt ausgezeichneter Flugmodelle.

DM_2010_f-300x199Großmodelle sind gemäß der Ausschreibung des DMFV Flugmodelle mit einer Mindestspannweite von 2.600 Millimeter und/oder ausgerüstet mit Motoren von mehr als 30 Kubikzentimeter Hubraum. Turbinengetriebene Modelle werden nicht nach Spannweite oder Motorgröße sondern nach Länge beurteilt – diese Flieger müssen mindestens eine Rumpflänge von 2.400 Millimeter besitzen. Sämtliche bei der DM Großmodelle eingesetzten Flugzeuge lagen mit der zulässigen Abflugmasse unterhalb von 25 Kilogramm und unterlagen somit nicht der Zulassungsverordnung.

Pflicht und Kür

Der Wettbewerb besteht aus insgesamt vier Durchgängen, zwei Mal Pflicht und zwei Mal Kür. Die Pflichtfiguren sind für alle Teilnehmer gleich und bestehen aus Start, Verfahrenskurve, Platzrunde, tiefem Überflug, liegender Acht, Dreieckskurs, Landeanflug und Landung. Dem Nicht-Wettbewerbsteilnehmer mögen diese Figuren recht einfach erscheinen, doch nach dem Motto „die schwierigste Kunstflugfigur ist ein perfekter Geradeausflug“ wurde während des Wettbewerbs deutlich, wie schwer auch solch vermeintlich einfache Figuren zu fliegen sind, zumal wenn Wind und Böen mit im Spiel sind.

In der Kür muss der Pilot neben Start und Landung je nach eingesetztem Modelltyp fünf Figuren aus dem Katalog der Ausschreibung auswählen, die in beliebiger Reihenfolge aneinander gereiht und abgeflogen werden. Zusätzlich können hier Punkte durch Sonderfunktionen wie zum Beispiel Schleppkupplung, Einziehfahrwerk, Bannerschlepp oder Fallschirmabwurf gesammelt werden. Da jedoch jeder Flug einem Zeitlimit unterliegt, muss der Pilot sich ranhalten, soll beispielsweise noch ein Bannerschlepp mit Start, Überflug und Abwurf gezeigt werden.

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Etliche Teilnehmer fliegen ihre Modelle nicht nur auf einem Wettbewerb, sondern setzen sie bei unterschiedlichen Meisterschaften ein. So flog zum Beispiel Walter Keller seine RF-4D bereits auf der DM Motorsegler 2009, wo er den ersten Platz belegte. Stephan Völker und Thomas Höchsmann setzten ihre bereits weltmeisterschaftserprobten Jets ein.

Es geht los

Der Freitag diente nicht nur dem Kennenlernen, sondern wurde genutzt, um den Bauaufwand für die einzelnen Modelle zu bewerten und bereits den ersten Durchgang zu fliegen. Durch die vielen durch Regen bedingten Unterbrechungen im Ablauf, zog sich der Flugdurchgang an diesem Tag bis in die späten Abendstunden hin. Sollten an dem Wochenende sämtliche Durchgänge geflogen werden, durften die Veranstalter bei den vorhergesagten Wetterbedingungen keine Zeit verlieren.

Der Samstag begann erst recht vielversprechend, aber auch an diesem Tag zeigte sich im Tagesverlauf der Wettergott nicht von seiner besten Seite. Regnete es einmal nicht und es konnte geflogen werden, wehte der Wind meist genau quer zur Landebahn und das recht kräftig, sodass die Piloten der Flugzeuge mit großen Angriffsflächen zeigen mussten, was sie fliegerisch drauf haben. Zwar betonte Stephan Völker mit seiner fast 25 Kilogramm schweren Hawk immer wieder, dass die Bedingungen für alle gleich sind, womit er sicherlich recht hat – nur kann sich ein Turbinenflieger mit sehr hoher Flächenbelastung weitaus besser gegen kräftige Böen durchsetzen als ein leichter Hochdecker vom Typ Piper. Unabhängig davon stellten natürlich die Wettbewerbsprofis wie Thomas Höchsmann, Walter Keller oder Stephan Völker eindrucksvoll unter Beweis, in welcher Liga sie spielen. Sehr großes fliegerisches Können, dazu hervorragendes Material sprechen eine eindeutige Sprache.

Finale

So war es nicht verwunderlich, dass sich am Sonntag vor dem letzten Durchgang die Spitzengruppe herauskristallisiert hatte. Der letzte Durchgang musste zeigen, wer zum Schluss auf dem Siegertreppchen ganz oben stehen wird. Es entwickelte sich ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen Völker, Keller und Höchsmann, zweimal Jet und einmal Motorsegler. Auch wenn Walter Keller seine RF-4D im Schlaf beherrscht – gegen die harten, von links einschlagenden Böen während der Starphase konnte er einfach nichts ausrichten, sodass es am Ende des Wettbewerbs hieß: Platz eins Stephan Völker, Platz zwei Thomas Höchsmann, Platz drei Walter Keller.

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In gebührendem Rahmen fand am frühen Nachmittag des 29. August die Siegerehrung statt. Der Bürgermeister der Stadt Ober-Ramstadt, Herr Werner Schuchmann, und Thomas Glock vom Regierungspräsidium Darmstadt, die eigens zu der Veranstaltung angereist waren, halfen bei der Pokalübergabe und betonten, welch hoher Stellenwert der Modellflugsport auch in dieser Region hat. Neben den Pokalen für die ersten Drei lässt es sich der Sportreferent für Großmodelle im DMFV, Leo Echtermeyer, nicht nehmen, noch einige Sonderpokale zu verteilen. So gab es unter anderem einen Pokal für das beste Cockpit oder die realistischste Flugvorführung. Weiterhin wurde die goldene Leistungsnadel des DMFV an Michael Thomas vergeben.

Klasse Leistung

Gewonnen haben eigentlich alle Teilnehmer. Denn wer bei Wetterbedingungen, wie sie an dem letzten Augustwochenende des Jahres 2010 herrschten, seine großen, wertvollen Modelle in die Luft und vor allen Dingen auch wieder heil auf den Boden bringt, gehört zu den Besten unter den Modellflugpiloten.

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Wahrlich Großes haben jedoch auch die vielen Helfer des SFC-Darmstadt während der gesamten Veranstaltung geleistet. Gehören Aufstellen der Zelte, Bewirtung und das übliche Drum und Dran noch zu den alltäglichen Aufgaben eines solchen Events, so mussten die Mitglieder aufgrund der teils heftigen Regengüsse und den sich daraus ergebenden Problemen richtig zupacken und schweres Gerät auffahren. War es am Samstag schon eine Kunst, allein mit einem Pkw aus den äußerst rutschigen Abstellpositionen im Gelände zu gelangen, so ging am Sonntag teilweise gar nichts mehr. Der Zufahrtsweg musste mit großen Mengen Stroh abgedeckt werden, damit sich Fahrzeuge hier nicht mehr festfahren konnten. Kleintransporter und Wohnwagengespanne wurden mit Hilfe von Traktoren aus dem Gelände gezogen, um wieder auf festes Terrain zu gelangen. Unter solchen Bedingungen zeigt sich, ob ein Verein funktioniert – Hut ab!

Sehenswert

Durch die große Vielfalt der eingesetzten Flugmodelle ist dieser Wettbewerb auch für den „normalen“ Zuschauer ein wirkliches Erlebnis, kann er doch hautnah erleben, zu welchen Leistungen Modellbauer fähig sind und auf welch hohem Niveau heute der Modellflugsport in einigen Sparten betrieben wird.

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Um den doch recht zahlreich angereisten Zuschauern das gesamte Spektrum des Modellflugs zeigen zu können, war nach dem eigentlichen Wettbewerb noch ein großer Flugtag auf dem Modellfluggelände des SFC-Darmstadt vorgesehen. Leider besserte sich die Großwetterlage nicht mehr wesentlich, sodass nur noch wenige Piloten am Nachmittag des 29. ihre Modelle aufbauten und vorführten.

Karl-Robert Zahn